  Als
der DX7 rauskam, machte er uns Keyboarder alle verrückt, die FM-Tonerzeugung machte uns
mit ihren klaren und oft sehr natürlich klingenden Sounds die Ohren lang, und ich hielt
ihn anfangs für das ultimative Gerät. So verkaufte ich mein Equipment und legte mir
zunächst einen DX9 zu, weil der DX7 zu dieser Zeit sehr schwer zu bekommen war.
Das Programmieren von (digitalen) FM-Sounds war etwas
völlig Neues und sehr Faszinierendes. Man konnte seine Sounds auf preiswerten
Datenträgern, den Cassetten, vervielfältigen und dadurch auch anderen Musikern
zugänglich machen. Jedenfalls war ich 1984 einer der ersten, die Sounds anboten. Der
Verkauf war anfangs natürlich sehr bescheiden, weil es etwas völlig Neues war. Die
meisten Musiker waren aber von Anfang an sehr dankbar dafür, dass sich einige
Spezialisten in diesen Parameter-Dschungel begaben.

Im selben Jahr war ich auch schon voll (jedoch total nüchtern
;-) mit dem C-64 beschäftigt. Ich benutzte ihn zunächst nur als Sequenzer,
später brachte ich mir BASIC bei und programmierte einen DX9-Editor. Weil mir das
C-64-Basic zu lahm war, lernte ich mit Hilfe von Büchern ASSEMBLER. Kurze Zeit später
konnte ich 640 von mir programmierte Sounds für den DX7 zusammen mit einem
selbsterstellten Dump-Programm auf Disk anbieten. Das Anfang 1986 folgende
"SUPERTOOL" war gleichzeitig Bankloader, Filetransformer und
RAM-Speicherweiterung und besaß eine Bedieneroberfläche mit Auswahlmenues, Dialog- und
File-Select-Boxen, obwohl der Atari ST noch gar nicht auf dem Markt war. [...] Seitdem
programmiere ich für ein Gerät neben eigenen Sounds auch MIDI-Software (genauer: Editor-Software für Synthesizer), zunächst stets für
den C-64, in letzter Zeit natürlich verstärkt für den Atari ST.
  
KB: Wo liegen die größten Probleme Deines Jobs?
TM: [...] Das größte Problem ist die Raubkopiererei. Ich habe leider nicht die
Mittel, um zu überprüfen, was eigentlich mit meinen Sounds und meiner Software passiert.
MIDI-Programme kann man ja einigermaßen vor dem Kopieren schützen, bei Sounds ist das
überhaupt nicht möglich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die regsten
Sound-Raubkopierer Händler sind. Viele geben im Rahmen eines sogenannten
"Sound-Service" ihren Kunden zum gekauften Gerät gleich kostenlos eine Disk mit
geklauten Sounds. Letztendlich geht das auf Kosten der Qualität, da Programmierer, die
ihre Sounds in monatelanger Arbeit erstellen, langfristig nicht viel damit verdienen
können. So sollte man sich überlegen, ob man sich damit nicht ins eigene Fleisch
schneidet, denn die Sounds sind nach wie vor das Aushängeschild eines Synthesizers.
KB: Wie setzt sich dein Kundenkreis zusammen?
TM: Die Leute, die bei mir kaufen, kommen aus allen beruflichen Schichten. Es
sind zum großen Teil die sogenannten Amateure. Ab und zu bestellen auch mal Profis,
obwohl diese doch meist selbst programmieren oder eigene Programmierer beschäftigen.
KB: Worauf legst du bei der Programmierung das Hauptaugenmerk?
TM: Ich klopfe einen Synthesizer darauf ab, welches Potential in ihm steckt, und
versuche dann, das Optimale aus ihm herauszuholen. Ich gehe nie so vor, dass ich erstmal
die üblichen Standard- und Natursounds programmiere, sondern ich lege Wert auf Klänge,
die der Stärke des Synthesizers entsprechen. Beim D10/20 habe ich zum Beispiel
festgestellt, dass er sehr gute fette und flächige "Analogsounds" erzeugen
kann. Also habe ich ihn erstmal in dieser Richtung "ausgesaugt" und danach
Standard- und Natursounds programmiert. Natürlich nehme ich auch Rücksicht auf
allgemeine Wünsche meiner Kunden und programmiere die Standardklänge.
KB: Deine Meinung zu verschiedenen Arten der Klangerzeugung?
TM: Konsequent im Synthesizer umgesetzt, hat jedes Klangerzeugungsprinzip seine
Stärken. Aber dann sollte man beispielsweise die Tatsache, dass ein Filter seinen
Resonanzparameter bekommt, auch als Sebstverständlichkeit ansehen und nicht, wie es
manche Hersteller tun, als herausragendes Feature. [...]
KB: Arbeitest du bei der Sounderstellung mit Editor-Software?
 
TM: Ich benutze zur Sounderstellung meine eigenen Programme, um die Gewissheit
zu haben, dass alles meinen Vorstellungen entspricht und funktioniert. Es inspiriert mich
natürlich auch, wenn ich mir mein eigenes Bedienerfeld gestalten kann. Wenn man einen
Editor programmiert, lernt man auch den Synthesizer bis ins (kleinste)
Detail kennen, was ein großer Vorteil bei der Sound-Programmierung ist.
KB: Welches Equipment verwendest du?
TM: Zur Zeit habe ich einen (Waldorf) Microwave,
einen (Roland) D-110, einen (Kawai)
K1-II und einen (Kawai) K3, demnächst folgt ein (Yamaha) SY77. Als Mixer benutze ich den Kawai MX-8DR. Vor einiger
Zeit habe ich mir wieder zwei alte analoge Synthis zugelegt: einen Korg Mono/Poly und
einen Yamaha CS40M. Als Computer benutze ich immer noch den ehrwürdigen C-64 und den
Atari Mega-ST2 mit 32-MB-Festplatte. Als Sequenzer benutze ich momentan Cubase in der
Version 1.5. Ich halte Cubase für ein tolles, leider aber noch recht absturzfreudiges
Programm.
KB: Dein Lieblingssynthesizer?
TM: Meine Lieblingsgeräte sind meine alten analogen Synthis, von denen ich mir
noch mehr zulegen will, wenn mir irgendwann mal größere Räumlichkeiten zur Verfügung
stehen. Bei den digitalen Geräten hat sich ein wirkliches Gefühl der Zuneigung noch
nicht entwickelt.
KB: Wo liegen deinen Wünschen nach die zukünftigen Trends bei Synthesizern?
TM: lch vermisse an den digitalen Synthesizern den spontanen Zugriff
auf den Klang, den die analogen Vertreter mit ihren Dutzenden von Knöpfen noch bieten.
Ich denke, und das zeichnet sich ja auch schon ab, dass in Zukunft der Schwerpunkt weniger
bei der Klangerzeugung als bei der Bedieneroberfläche zu sehen ist. Ich war sehr
beeindruckt vom GAMBIT (in KEYBOARDS 3/1990), dessen Touch-Screen und Spielhilfen
hoffentlich wegweisend sein werden. (Auf dem Foto besagter GAMBIT
von Designer Axel Hartmann, damals seiner Zeit weit voraus.)
Aus KEYBOARDS 4/1990 (nachträgliche Anmerkungen für meine
Website in grauer Schrift)
Das
bearbeitete Interview mit den Soundbeispielen können Sie von der KEYBOARDS-Website kostenpflichtig herunterladen.
Nochmals herzlichen Dank an Peter Gorges und den Verlagslektor.
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